30.03.2016

Publikation # [434]

Designkritik: Zum 90. Geburtstag Ingvar Kamprads
Veröffentlichung in: WDR 5 »Scala«, 30.3.2016
www.wdr5.de



Zu dieser Publikation
Hat IKEA einen Beitrag zur Demokratisierung des Designs geleistet? Die Frage unterstellt, dass eine Demokratisierung des Designs stattgefunden hätte. Was könnte damit gemeint sein? Vermutlich zielt die Frage im Grunde auf die Demokratisierung des Konsums ab, eine Entwicklung, die in den westlichen Industrieländern seit den späten 1950er Jahren eine ungeheure Dynamik entfaltet hat. Dass die konsumierten Produkte von Designern gestaltet wurden, ist Teil dieses historischen Prozesses. IKEA spielt darin eine Rolle, wie viele andere Unternehmen auch.
IKEA war zweifellos niemals Avantgarde, Vorreiter im Design. Das Unternehmen ist keine ästhetische Erziehungsanstalt. Die Beförderung gesellschaftlichen Fortschritts ist – völlig legitim – kein Teil des Geschäftsmodells. Mit scharfem Auge und klarem Gespür hat IKEA aktuelle Veränderungen wie ein Seismograph wahrgenommen und rasch in gefällige Formen zu niedrigen Verkaufspreisen auf den Markt gebracht.
IKEA hat nicht im Design neue Wege eingeschlagen, sondern in der Logistik der Waren. Ob das für alle Beteiligten ein gutes Geschäft ist, lässt sich bislang kaum kalkulieren. Wer die gesamtwirtschaftliche Zeche am Ende zahlen wird, ist noch nicht absehbar. Wenn ich auf die vielen Billy-Regale blicke, die mir schon seit Jahrzehnten gute Dienste leisten und auch mehrere Umzüge schadlos überstanden haben, sehe ich mich durchaus als Profiteur.

Mit etwas Glück funktioniert dieser Link zum Mitschnitt der Sendung auch noch in ein paar Wochen: www.wdr5.de.

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Prof. Dr. René Spitz

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