31.12.2013

Publikation # [384]

Rezension: Victor Malsy, Jens Müller (Hg.): »Ideenstadt Düsseldorf. Design und Werbung aus Düsseldorf 1900-2013«, Düsseldorf: Droste, 2013.
Veröffentlichung in: WDR 5 »Scala«, 31.12.2013
www.wdr5.de



Zu dieser Publikation:

Was wir aus der Designgeschichte lernen können, wissen wir erst, wenn wir sie überhaupt betreiben. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit an deutschen Hochschulen.

Der Titel des Buchs kann womöglich missverstanden werden. Hingegen selbstverständlich ist die Feststellung, dass unzählige Arbeiten aus Werbung und Design seit 1900 in Düsseldorf entwickelt wurden, die den Alltag begleitet und teilweise auch großen Einfluss darauf ausgeübt haben. Gerade weil diese Feststellung so selbstverständlich ist, liegt es keinesfalls nahe, ihren tatsächlichen Gehalt zu untersuchen.

Gewiss: Das Waschmittel Persil war nicht nur ein erfindungsreiches Produkt, sondern es wurde seit seiner Vorstellung 1907 gezielt als modernes Markenprodukt präsentiert. Verpackungsdesign, Produktname, Markenschutzrechte und ungewöhnliche Werbeideen spielten von Anfang an tragende Rollen für den Geschäftserfolg. In den 1960er Jahren avancierte die Landeshauptstadt zur bundesdeutschen Werbemetropole, wo berühmt gewordene Kampagnen für z.B. Willy Brandt, Afri Cola, Roth Händle, Jägermeister und den VW-Käfer entstanden sind. Die Siglen der neuen Kommunikatoren lauteten GGK, ADC und BBDO.

Zwei Jahre lang haben Designstudenten der FH Düsseldorf mit der Hilfe und unter den Anleitung von Jens Müller und Victor Malsy Beispiele für erfolgreiches und zeittypisches Design recherchiert, das von 1900 bis in die Gegenwart aus Düsseldorf stammt. Daraus ist eine Ausstellung und ein Buch mit mehr als 1.200 Abbildungen hervorgegangen. Die Ausstellung war bislang nur für ein Wochenende zu sehen. Das Buch versammelt ein breites Spektrum, an dem sich die allgemeine Design- und Kulturgeschichte konkreten nachvollziehen lässt: Vom Historismus über Jugendstil und Neue Sachlichkeit, die Heroisierung durch Nazis, die unsicheren Anfänge des Wiederaufbaus und das selbstbewusste Wirtschaftswunder bis zur gestalterischen Moderne, deren Linien über die Postmoderne bis in die Gegenwart vital geblieben sind. Es ist ein Werk ohne Vorbild, das hoffentlich zur Anregung andernorts dienen wird. Man stelle sich nur eine Reihe solcher Erkundungen und Dokumentation vor, nicht von den üblichen Verdächtigen wie Köln, München, Hamburg und Berlin, sondern auch von Gelsenkirchen, Augsburg und Leipzig.

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Prof. Dr. René Spitz

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